Hey Bot, wer bist du?

Als das Internet noch von Menschen dominiert war, war die Sache klar: Nahezu jeder Seitenaufruf wurde von einer Person initiiert. Doch heute sieht die Sache anders aus: Über 50 % des Internet-Traffics gehen laut einer Analyse des Netzwerkanbieters Cloudflare nicht mehr von Menschen, sondern von Bots aus.

Im KI-Zeitalter wird es jedoch immer schwieriger, erwünschte von unerwünschten Bots zu unterscheiden. Während datenhungrige KI-Crawler von Webseitenbetreibern oft als problematisch angesehen werden, sind KI-Agenten, die im Auftrag echter Nutzer handeln, meist willkommen – technisch lassen sich beide jedoch nur schwer auseinanderhalten.

Als mögliche Lösung wird über digitale Ausweise für KI-Agenten nachgedacht. Eine Signatur könnte einen Agenten eindeutig einer Person zuordnen und so sensible Vorgänge wie Behördengänge, Onlinebanking oder Einkäufe absichern. Ob sich das Problem damit tatsächlich lösen lässt, ist allerdings fraglich.

Digitale Ausweise für KI-Agenten könnten den Missbrauch zwar erschweren, aber nicht verhindern. Werden legitim ausgewiesene Agenten oder Systeme gekapert, erscheinen selbst schädliche Zugriffe vertrauenswürdig und sind entsprechend schwerer zu erkennen.

Zugleich birgt eine umfassende Ausweispflicht erhebliche gesellschaftliche Risiken: Sie könnte Überwachung und Datensammlung fördern und die für Whistleblower, Journalisten und politische Dissidenten wichtige Anonymität im Netz untergraben. Doch die Möglichkeit, sich anonym im Netz zu bewegen, sollte imho unbedingt auch in einem von KI-Agenten geprägten Internet erhalten bleiben!

Quelle: t3n vom 04.09.2026