KI als Entwicklungshilfe


Aber auch auf armen Inseln gibt es Internetanbieter und die brauchen eine Länderdomain. Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (kurz: ICANN) teilte Anguilla die Top-Level-Domain „.ai“ zu.
Danach kam ein Hurrikan, drei Jahre später Covid-19, das Staatsdefizit wuchs und die Aussichten waren trüb. Dann stellte OpenAI Ende 2022 ChatGPT vor – quasi der Startschuss für den heutigen KI-Boom. Und da Künstliche Intelligenz (KI) auf Englisch bekanntlich Artificial Intelligence (AI) heißt, wurde .ai zur begehrten Adresse für KI-Unternehmen. Alle Internet-Giganten wollten eine .ai-Domain, aber auch kleinere Unternehmen waren bei dem Run dabei. So sorgte der KI-Hype für eine sprudelnde Einnahmequelle, die so schnell auch nicht versiegen wird. Inzwischen werden frei gewordene Domains versteigert und erzielen teils mehrere Hunderttausend Dollar.
Die technische Verwaltung wurde zwar an eine US-Firma ausgelagert, Anguilla soll aber rund 85 Prozent der Einnahmen behalten. 2024 betrugen die Einnahmen laut IWF 33,6 Millionen Euro – fast ein Viertel aller Staatseinnahmen. Für 2025 soll die Summe sogar auf mehr als 73 Millionen Euro steigen. Mit den Einnahmen werden unter anderem Flughafen, Hafen, Straßen und Schulen modernisiert. Schüler erhalten Laptops, Menschen über 70 eine Krankenversicherung und Hausbesitzer zahlen keine Grundsteuer mehr.
Insofern hat der KI-Boom auf Anguilla tatsächlich wie gut investierte Entwicklungshilfe gewirkt. Oder wie ein digitaler Ölfund. Statt Öl vermarktet die Insel ihre zweibuchstabige Internetendung .ai – und der KI-Hype saniert damit gerade einen ganzen Staatshaushalt.
Quelle: RiffReporter | Den ganzen Artikel zum Thema gibt's hier.