Michel Camilo – On Fire

[Scheibe der Woche 43/2026]

Ich weiß nicht, ob das Label „Latin Jazz“ für Michel Camilo erfunden wurde, aber er verkörpert es mit seiner Musik wie kaum ein anderer. Er ist ein außergewöhnlicher Jazzpianist und Komponist, der die rhythmische Energie der Karibik mit virtuosem Jazz verbindet.

Auf diesem besonders gelungenen Album spielt Michel Camilo in wechselnden Triobesetzungen. Am Bass sind entweder Michael Bowie oder Marc Johnson zu hören, am Schlagzeug Dave Weckl, Marvin „Smitty“ Smith oder Joel Rosenblatt. Bei „… And Sammy Walked In“ ist außerdem der Perkussionist Sammy Figueroa zu Gast.

Bis auf einen Song („Softly as in a Morning Sunrise“) sind sämtliche Titel Eigenkompositionen von Camilo. Mitreißende und kraftvolle Musik. Camilos Spiel zeichnet sich durch eine perkussive Kraft aus, die oft mit der von McCoy Tyner verglichen wird.

Der Opener „Island Stomp“ ist ein mitreißender Calypso, bei dem Weckl und Bowie Camilo bei einem rasanten Zwischenspiel an seine Grenzen treiben, während er die reichhaltigen Harmonien und die Kraft eines Big-Band-Shout-Chorus aufgreift. 

„On Fire“ ist klassischer Camilo. Rosenblatt und Bowie halten ein hohes Tempo aufrecht, während Camilo durch volltönende Akkordwechsel stürmt, die das Gefühl eines Big-Band-Spektakels hervorrufen. Der Titel ist ein Paradebeispiel für Camilos natürliche Ausgelassenheit und technische Virtuosität – ein furioses Finale, das garantiert niemanden unbeeindruckt lässt.

→ ♪(๑ᴖ◡ᴖ๑)♪

Als Bonus noch ein Video des Titeltracks vom North Sea Jazz Festival 2002 mit Anthony Jackson am Bass und Horacio ‚El Negro‘ Hernandez an den Drums: